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Es ist Samstag und ich habe zum ersten Mal die Ruhe, mich an meinen Laptop zu setzen und im Internet zu recherchieren. Ich gebe „Mammasarkom“ bei Google ein: Ungefähr 1.240 Ergebnisse. Oh man, das muss selbst für Google frustrierend sein! Der erste Treffer ist ein Artikel aus dem Jahre 1969. Ein Fallbericht von neun Patienten, denen die Brust komplett entfernt und danach bestrahlt wurde. Fünf Patienten überlebten die nächsten fünf Jahre. Ich denke: Was für eine Wahnsinns-Statistik und Aussagekraft zugleich!

Der nächste Treffer von Google beschäftigt sich erneut mit einem Fallbericht – von 1915! Ich krieg’ die Krise!!! Offenbar gibt es einfach keine aktuellen Berichte. Und auch unter books.google.de erfahre ich lediglich in einem Absatz von sage und schreibe fünf Zeilen, dass dieser Tumor weniger als 1% der bösartigen Brusterkrankungen ausmache. Aha!

Anschließend recherchiere ich zum Thema Brustkrebs. Hier stoße ich allerdings nur auf das Mammakarzinom – von Sarkomen weit und breit nichts zu sehen!

Ich merke schnell, dass ich so nicht weiterkomme. Offenbar kann man sich so gut wie nicht selber schlau machen und ist auf das hoffentlich richtige Vorgehen der Ärzte angewiesen. Zum Glück haben wir durch Familie und Freunde genügend Kontakte zu anderen Medizinern, die allesamt die Amputation befürworten. Dadurch fühle ich mich letztlich doch sicher.

Außerdem lese ich mir noch einmal genau meine Diagnose durch: Pleomorphes spindelzelliges Sarkom auf dem Boden eines Phylloidestumors (G3). So richtig begreifen kann ich das gar nicht. Das übersteigt selbst mein Vorstellungsvermögen. Noch im Mai diesen Jahres wurde meine Zyste samt deren Inhalt untersucht und absolut nichts verdächtiges gefunden. Nur sechs Monate später wird mir schließlich eine Umfangsvermehrung entfernt, die sich nicht nur als äußerst aggressiv herauskristallisiert… Nein, sie soll auch noch auf der Grundlage eines anderen Tumors gewachsen sein. Im Umkehrschluss soll das also heißen, dass sich binnen sechs Monaten zwei verschiedene Tumore gebildet haben, wovon es letztlich einer auf den beachtlichen Durchmesser von über 5 cm geschafft und noch dazu eine hoch aggressive Form ausgebildet hat. Wann bitteschön soll das denn alles passiert sein?! So was geht doch gar nicht „über Nacht“. Ich weiß gar nicht, ob ich von dieser Erkenntnis, dass so etwas möglich ist, einfach nur schockiert oder gar beeindruckt sein soll. Meine Hochachtung an den Tumor, meine Verachtung an die Tatsache, dass er sich dafür meinen Körper ausgesucht hat!